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Oberflächlich und doch zur Qualität verpflichtet

Bei (mikro)chirurgischem Instrumentarium gelten kompromisslose Gütekriterien, das schließt Oberflächen in besonderem Maße ein. Entsprechend kommt der Qualität der Beschichtung eine hohe Bedeutung zu, in etwa vergleichbar mit dem Niveau der Luft- und Raumfahrtindustrie. Das hier beschriebene Galvanisierungsbeispiel zeigt, wie hoch die Anforderungen im Detail sind.


„Wenn man an Gehirn oder Herz operieren will, muss nun mal auch das Werkzeug ganz besondere Eigenschaften mitbringen“, wie Dirk Hohenhaus prägnant betont. Als externer Berater betreut der Diplomingenieur und Geschäfts­führer der Hohenhaus Ingenieure GmbH den in Pforzheim ansässigen Galvanik-Spezialisten C. Jentner bei besonders herausfordernden Projekten und so auch bei dem Auftrag eines langjährigen Kunden aus der Medizintechnik zur Veredelung von Chirurgie-Geräten.


Im chirurgischen Alltag muss das OP-Besteck ergonomisch, sicher und präzise zu handhaben sein, dabei absolut unzerbrechlich und abriebfrei, aber auch korrosions- und hitzebeständig, nicht haftend und keimresistent, möglichst einfach zu reinigen und für die effiziente Dampfsterilisation geeignet.


Von Fachkompetenz und Erfahrung profitieren

Wie im Automotive-Umfeld oder  noch deutlicher ausgeprägt  in der Luft- und Raumfahrt gäbe es auch hier beim Einsatz der medizinischen Instrumente keine Chance zur Nachbesserung, so Hohenhaus weiter. Gefragt seien hier wie dort hundertprozentige Funktionalität, Stabilität und Ergonomie. Und dass C. Jentner in allen dieser Branchensegmente über weitreichende Fachkompetenz und Erfahrung verfüge, böte den Kunden des Lohngalvanikers den Blick über den Tellerrand: „Schlussendlich profitieren die Kunden ja immer auch von dem Erfahrungsschatz ihrer Dienstleister auch in verwandten Branchen“, zeigt sich Hohenhaus überzeugt.


Neues Verfahren für neues Produkt

C. Jentner erhielt von einem international renommierten Medizintechnik-Hersteller, mit dem es bereits eine langjährige Kundenbeziehung gab, eine Anfrage zu einem komplett neuen Produkt. Die für das mikrochirurgische Werkzeug benötigten Aluminium-Werkstücke sollte der Galvanik-Spezialist chemisch vernickeln und versilbern. Neben Etablierung sicherer Produktionsverfahren lag ein Augenmerk auf der Qualitätssicherung (QS).


Ebenso sollte der „untergeordnete Lieferant“ relevante Daten für die FDA (Food and Drug Administration) bereitstellen, um die Zulassung für den US-Markt zu erlangen. Das wiederum setzt eine lückenlose Beschreibung und Dokumen­tation produktionsbezogener Prozesse für jeden Durchlauf und jedes Gerät voraus im Sinne eines „Wer hat wann wo was gemacht?“.


Etwa einjährige Entwicklungs- und Aufbauzeit

Nach Einrichten einer Projektgruppe im Herbst 2015 und ersten Versuchsreihen im Mai 2016 konnte der Galvanikbetrieb im Herbst 2016 in den Echtbetrieb gehen. Binnen eines Jahres wurden Produktions- und QS-Verfahren nach engen Spezifikationen aufgebaut und dabei Einflussparameter wie Grundmaterialien, Elektrolyte und Temperaturen detailliert abgebildet, um eine gleichbleibende Qualität der Beschichtungen sicherzustellen. Seither steht dem Kunden eine externe Galvanik zur Verfügung, die wie eine betriebseigene arbeitet mit eigener Produktlinie, eigenen Anlagen und speziell abgestelltem Fachpersonal.


Schneller und schlanker Galvanisierungsprozess

In Abgrenzung zur industriellen Bandgalvanik mit immensen Stückzahlen  oft Schüttgut, das in riesigen Trommeln beschichtet wird   bearbeitet C. Jentner die medizinischen Instrumente in mittlerer Stückzahl selektiv und damit deutlich präziser. Die eigens angefertigten und verpackt angelieferten Rohteile werden nach einem festen Plan kontrolliert, gereinigt und daraufhin in einem exakt beschriebenen Prozess veredelt. Die Galvanisierung im Tauchverfahren erstreckt sich über 70 einzelne Prozess­schritte hinweg. Gleichwohl sei die Gesamtdurchlaufzeit inklusive des Material­handlings und der Administration mit drei Tagen „äußerst schlank und schnell“, wie Firmenchef Chris Jentner betont. Tausende dieser Werkstücke durchlaufen in seinem Unternehmen jährlich diese von QS-Maßnahmen begleitete Prozesskette.


Systematische QS von A-Z

Der Medizinprodukte-Hersteller hat seine QS ganzheitlich angelegt. Sie reicht von der Produktion der Rohlinge mit allen mechanischen Bearbeitungs­schritten wie Schleifen und Trowalisieren über die Beschichtungsprozesse beim Lohngalvaniker bis hin zur Endmontage inklusive der Weiterverarbeitung, die bei ihm selbst erfolgt samt Schlusskontrolle und Produktabnahme.


Zum Doppel aus Inprozesskontrolle und globalen QS-Maßnahmen bei C. Jentner gehört dabei die zerstörungsfreie Materialanalyse für jedes einzelne Werkstück; dabei kommt als Messmittel insbesondere eine Röntgenanalyse (X-Ray) zur zerstörungsfreien Schichtdickenprüfung zum Einsatz. Darüber hinaus erfolgt obligatorisch eine optische Ausgangskontrolle. Zweimal jährlich führt der Kunde vor Ort ein Audit durch, um eingehend die Sicherheit der Prozesse zu überprüfen.


Kompetenz und Flexibilität gefragt

„Wer wie wir Metallveredelung auf höchstem Niveau anbieten möchte, muss das entsprechende Know-how mitbringen. Hier spielt uns die 40-jährige Markt­erfahrung in die Karten, wenn es wie im vorliegenden Projekt beispielsweise darum geht, die elektrotechnische Ausrüstung unserer Anlagen und die von uns selbst entwickelten Elektrolyte mit der passenden Stromstärke in Einklang zu bringen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen“, erklärt Chris Jentner. Letztlich sei aber gerade auch die Flexibilität entscheidend, jederzeit auf Kundenwünsche einzugehen und eine punktgenaue Umsetzung zu gewährleisten.


Dass, wie bei den Chirurgie-Geräten der Fall, der Kunde zudem auch ein Produkt erhält, das auffallend gut aussieht, ist nicht mehr als ein schöner Begleiteffekt. Schließlich wirkt sich die glänzende Silberbeschichtung nicht auf die ohnehin überlegene Funktionalität der Instrumente aus, macht sie aber bei den Operateuren umso beliebter. Hier werden die Erfahrungen von C. Jentner aus dem dekorativen Bereich deutlich, unter anderem mit Galvanisierungen für die Schmuckindustrie.